• …Die Karawane zieht weiter.

    Gründungserklärung der Kommunistischen Arbeiter:innenorganisation Hamburg1

    Nach mehreren Jahren der politischen Arbeit in Hamburg blicken wir gemeinsam nach vorne. In miteinander verbundenen, aber thematisch getrennten Kampffeldern der politischen Bewegung konnten wir viele wichtige Erfahrungen sammeln. Wir kommen aus Gruppen, die ihre politische Arbeit in den Bereichen Feminismus, Internationalismus, Antifaschismus und betrieblichen Kämpfen hatten und damit unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte über die letzten Jahre gesetzt haben. Unsere vorangegangene Organisierung war ab einem gewissen Punkt für die Aufgaben, die vor uns als Kommunist:innen stehen, nicht mehr geeignet. Mit diesem Schritt vereinen wir uns als ehemalige Aktive und überwiegende Mehrheit dieser Gruppen zu einer Organisation.

    Mit diesem Schreiben geben wir die Gründung dieser Organisation bekannt.

    Die BRD ist geprägt von dem grundlegenden Widerspruch des Kapitalismus: der gesellschaftlichen Produktion, bei der privaten Aneignung des produzierten Reichtums. Das was durch die miteinander verbundene Arbeit von Millionen Werktätigen erschaffen wird, wird von einigen wenigen Kapitalisten unter ihre Kontrolle gestellt und für ihre Zwecke missbraucht. Dieser Widerspruch prägt unsere gesamte Gesellschaft und ist die Grundlage von Ausbeutung und Unterdrückung. Diesen Widerspruch gilt es zu überwinden.

    Das strategische Ziel in der Phase, in der wir uns befinden, ist der Sozialismus in Deutschland als Teilschritt zur befreiten Gesellschaft im Kommunismus. Der Sozialismus ist die Gesellschaft, welche von der Arbeiter:innenklasse nach ihren Interessen gestaltet und entwickelt wird. Unsere Aufgabe ist es den konkreten Weg zum Sozialismus zu finden.

    Für uns steht fest, über das Parlament allein führt dieser Weg nicht.

    Die Geschichte zeigt immer wieder: Wer sich auf Reformen und den Rahmen des bürgerlichen Staates verlässt, der endet früher oder später im Lager der Gegners. Wir Kommunist:innen hingegen arbeiten auf einen revolutionären Bruch hin.

    Aber Kommunist:innen allein schreiben nicht die Geschichte. Sie wird gemacht im Kampf zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern. Der Klassenkampf ist auch heute noch der Motor von Veränderung. In Deutschland ist der entscheidende Kampf der zwischen der Arbeiter:innen- und der Kapitalistenklasse. Die Revolution kann also keine Art Verschwörung oder Putsch „der Kommunist:innen“ sein, sondern nur der bewusste Griff der Arbeiter:innenklasse zur politischen Macht. Dafür braucht diese Kampferfahrung und ein Bewusstsein für ihre historische Rolle. Beides entsteht nicht spontan, sondern muss aktiv in konkreten Kämpfen entwickelt werden.

    Der Betrieb hat in dieser Aufgabe eine hervorgehobene Stellung. Nicht nur, weil hier der Grundwiderspruch gesellschaftlicher Produktion bei privater Aneignung unmittelbar stattfindet, sondern auch, weil hier hunderte, teils tausende Arbeiter:innen zusammenkommen, gemeinsam die selben Erfahrungen durchleben und sich gemeinsam wehren können.

    An diesem Ort müssen Kommunist:innen den Großteil ihrer Arbeit entfalten. Sie müssen im Hier und Jetzt konsequenteste Kämpfer unserer Klasse werden und lernen hier die Führung in den Kämpfen zu übernehmen. Aus diesem Grund ist es für uns entscheidend, dass die Mehrheit unserer Organisation aus Arbeiter:innen und Auszubildenden besteht.

    Die Kämpfe der politischen Bewegungen sind, trotz der hervorgehobenen Relevanz der betrieblichen Kämpfe, weiterhin Teil unserer Praxis. Wir als Arbeiter:innen haben nicht nur Interesse an einem höheren Lohn oder besseren Arbeitsbedingungen, sondern auch politische Anliegen.

    Vor allem in der Jugend ist die politischen Bewegung ein wichtiger Ort der Bewusstseinsentwicklung. Der Kampf gegen faschistische Kräfte und die Spaltung unserer Klasse durch Rassismus sind für viele der erste Berührungspunkt mit antikapitalistischer Politik. Die Unterdrückung der Frau lehrt einen Großteil der Arbeiterinnen in Widerspruchserfahrungen mit den herrschenden Verhältnissen und der Kampf um den Frieden wird mehr und mehr zu der zentralen Frage für unsere Klasse. Deshalb sind wir aktiv in den Kämpfen gegen Rassismus, faschistische Bewegungen, die Unterdrückung der Frau und für den Frieden.

    Unsere Klasse kämpft nicht allein in Deutschland. An unserer Seite steht eine weltweit kämpfende Arbeiter:innenklasse und die Befreiungsbewegungen der unterdrückten Völker. Deshalb sind wir Kommunist:innen der internationalen Solidarität verpflichtet.

    Für uns steht fest, der revolutionäre Kampf gegen den Kapitalismus braucht eine revolutionäre Organisation. Eine Organisation, welche mit den Methoden und Lehren des Marxismus-Leninismus die Kräfte und Entwicklungstendenzen des Klassenkampfes richtig analysiert, den spontanen Kämpfen Kontinuität und Bewusstsein gibt und diese weiterentwickelt. Eine Organisation, die fest mit unserer Klasse verbunden ist und das Vertrauen eines beträchtlichen Teils dieser genießt.

    Diese Organisation kann nur die Kommunistische Partei im leninschen Sinne sein.

    Wir wollen mit unserer Arbeit einen Beitrag zum planmäßigen Aufbau dieser Kommunistischen Partei in Deutschland leisten.

    Für diesen brauchen wir die Verbindung der marxistischen Theorie mit den Erfahrungen im tatsächlichen Klassenkampf, sowie Diskussion und Austausch zwischen verschiedenen kommunistischen Gruppen.

    Mit dieser Ausrichtung gehen wir einen qualitativen Schritt in der gemeinsamen politischen Arbeit. Die logische Schlussfolgerung aus unserer Erfahrung der letzten Jahre ist, dass wir unsere Organisation nach den Prinzipien des Marxismus-Leninismus ausrichten und sie durch diese weiterentwickeln. Wir stehen erst am Anfang unserer Arbeit, doch sind fest entschlossen mit unseren Erfahrungen die Sache der Arbeiter:innenklasse voranzubringen.

    Mit dieser Erklärung geben wir die Gründung der Kommunistischen Arbeiter:innen Organisation – Hamburg bekannt. Wir gehen hiermit gemeinsam einen Schritt nach vorne. Kommunistisch. Als Arbeiter:innen. In einer Organisation.

    Kommunistische Arbeiter:innenorganisation Hamburg – März 2026

    1. Der Titel bezieht sich auf einen Absatz aus folgendem Werk: „Über den Kampf gegen die rechten und „Ultralinken“ Abweichungen“ Stalin Werke Band 8 S.10 ↩︎